Unsere Kampagnen – aktuell

Bundestagspetition Pestizidkontrolle

Als betroffener Imker hat Thomas Radetzki die Petition „Bienen, andere Insekten und Ökosystem vor Pestizidgefährdungen wirksam schützen“ persönlich eingereicht. Ziel war es, innerhalb von vier Wochen mindestens 50.000 Unterstützer*innen zu gewinnen, um eine öffentliche Anhörung vor dem Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags zu erzwingen und mit den Abgeordneten über den dramatischen Verlust der Artenvielfalt durch Pestizidschäden sowie den unzureichenden Schutz von Bienen, Wildbienen und anderen Insekten durch mangelhafte Zulassungsverfahren von Pestizidwirkstoffen zu diskutieren. In der Folge soll nun eine Beschlussfassung und die Anwendung der in der Petition konkret vorgeschlagenen Maßnahmen zum Schutz von Mensch, Bienen und Natur erreicht werden.

Ziel: 64.000 €
12.000 € Spenden fehlen noch
Projektträger: Thomas Radetzki
Zeitraum: noch nicht abgeschlossen
Stand: 11/2020

Das Problem ist bekannt: Mehrfach mussten in der Vergangenheit bereits geprüfte und zugelassene Pflanzenschutzmittel nach jahrelanger Anwendung wieder vom Markt genommen oder in ihrer Anwendung eingeschränkt werden, weil sie Bienen und andere wichtige Blütenbestäuber krank machen oder töten. Dass es bei der Pestizid-Risikoprüfung „erhebliche Defizite“ gibt, bestätigte das Europäische Gericht 2018 in seinem Urteil zum Verbot der Neonicotinoide lmidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam. Ihr Freiland-Einsatz bleibt damit verboten.

Solange aber als Ersatz für die verbotenen Pestizide neue Mittel zum Einsatz kommen, die nach denselben, offenkundig unzureichenden Sicherheitsprüfungen zugelassen werden, wird das Insektensterben in unseren Landschaften weitergehen. Noch immer fehlt es unter anderem an verbindlichen Untersuchungsmethoden für sogenannte „subletale Effekte“ von Pestiziden. Diese sind für Bienen und andere Bestäuber zwar nicht unmittelbar tödlich, schwächen aber ihr Immunsystem oder ihre Orientierungs- und Fortpflanzungsfähigkeit und machen sie anfälliger für Folgekrankheiten.

Zum Schutz von Mensch und Bienen brauchen wir dringend eine grundlegende Reform der bisherigen Zulassungsverfahren für Pestizide. Bei der Risikobewertung von Pestiziden muss künftig das gesetzlich festgeschriebene Vorsorgeprinzip der EU konsequent angewendet werden. Indirekte und langfristige Umweltbelastungen dürfen nicht einfach unter den Tisch gekehrt werden, sondern müssen unter Realbedingungen untersucht und von unabhängigen Instituten bewertet werden.

Die zentralen Forderungen der Petition Pestizidkontrolle lauten:

  • Pestizid-Zusatzstoffe müssen in die Sicherheitsprüfung einbezogen werden.
  • Wechselwirkungen der Pestizide untereinander müssen berücksichtigt werden.
  • Pestizid-Anreicherungen in Grundwasser und im Boden müssen geprüft werden.
  • Sicherheitsprüfungen sollen – anders als bisher – von unabhängigen Laboren und wissenschaftlichen Fachgremien auf Basis einer objektiven Betrachtung wissenschaftlicher Daten durchgeführt werden.
  • Prüfungen von Pestiziden müssen unter realen Bedingungen, nicht nur im Labor stattfinden.
  • Das Aurelia-Team freut sich über die vielen Unterschriften für die Bundestagspetition Pestizidkontrolle.
  • Bienenforscher Prof. Dr. Dr. h. c. Randolf Menzel (rechts) begleitete Thomas Radetzki (links) zu der Sitzung im Bundestag.
  • Anhörung im Deutschen Bundestag.

Erste Erfolge

Die Petition fand große Beachtung in den Medien und in der Öffentlichkeit. In nur vier Wochen, vom 3. April bis zum 1. Mai 2019, unterzeichneten 72.527 Menschen die Bundestagspetition Pestizidkontrolle. Damit ist die Bundestagspetition Pestizidkontrolle eine der bis dato erfolgreichsten Online-Bundestagspetitionen überhaupt.

Möglich wurde der Erfolg der Petition durch eine breite Unterstützung von Unternehmen, Verbänden und Initiativen sowie Politiker*innen, Wissenschaftler*innen und prominenten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie Renate Künast, Prof. Dr. Randolf Menzel, Max Moor, Sibylle Berg, Markus Imhoof und vielen mehr. Und nicht zuletzt durch das hohe persönliche Engagement tausender Unterstützer*innen im ganzen Land. Um die Dringlichkeit der Forderungen öffentlich zu unterstreichen, gab es vor der Anhörung im Deutschen Bundestag eine Solidaritätskundgebung im Regierungsviertel.

Am Montag, dem 21. Oktober 2019 konnte Thomas Radetzki für alle 72.527 Unterzeichner*innen der Bundestagspetition Pestizidkontrolle im Bundestag sprechen. Begleitet wurde Radetzki vom Bienenforscher Prof. Dr. Dr. h. c. Randolf Menzel, Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Aurelia Stiftung. Die Aufzeichnung der Sitzung des Petitionsausschusses kann in der Mediathek des Bundetags verfolgt werden.

Beide betroffenen Ministerien, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit haben eine Stellungnahme zu den Forderungen der Petition Pestizidkontrolle vorgelegt. Deren Inhalt ist nicht bekannt. Der Ausschuss wird sich jetzt damit beschäftigen und auch mit Bezug auf die mündlichen Stellungnahmen von Professor Menzel und Thomas Radetzki während der Anhörung eine Entscheidung treffen.

Die Projektskizze gibt es hier zum Download:

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