Unsere Projekte – aktuell

Neonicotinoid-Wirkung auf Gedächtnisbildung und -abruf von Hummeln

Aurelia finanziert für drei Jahre die Stelle einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin und Sachmittel innerhalb der Arbeitsgruppe des renommierten Neurologen Prof. Randolf Menzel von der Freien Universität Berlin. Menzel untersucht die von Neonicotinoiden ausgelösten nicht-tödlichen Störungen der Gehirnvorgänge bei Bienen bzw. Hummeln. Zwar konnten wissenschaftliche Ergebnisse bereits dazu beitragen, dass drei Neonicotinoide vom Gesetz her in der Anwendung eingeschränkt wurden. Jedoch sprechen sich Prof. Dr. Dr. h.c. Randolf Menzel und Aurelia seit Jahren für ein Komplettverbot aller Wirkstoffe der Gruppe aus. Denn Untersuchungsergebnisse zeigen, dass die Bienen bereits bei nicht-tödlichen Dosierungen stark in ihren kognitiven Fähigkeiten (wie Alzheimerpatienten) eingeschränkt sind.

Ziel: 76.000 €
8.000 € Spenden fehlen noch
Projektträger: Freie Universität Berlin
Zeitraum: 2017 bis Ende 2020
Stand: 11/2020

Neonicotinoide und Bienen

Neonicotinoide (Neonics) sind synthetisch hergestellte, neuro-toxische Pestizide, die bei Insekten als Kontakt- und Fraßgifte wirken. Sie sind mittlerweile die weltweit am häufigsten angewendeten Insektizide in der Landwirtschaft. Im Mai 2013 schränkte die EU-Kommission die Verwendung von drei Wirkstoffen in Pflanzenschutzmitteln ein (z. B. kein Spritzen in die Blüte, kein Beizen von Samen bestimmter Pflanzenarten).

Die europäische Behörde EFSA (European Food Safety Authority) hat die Mehrzahl der Anwendungen von Neonics 2017 noch einmal neu bewertet. Das Ergebnis: Neonics stellen eindeutig ein Risiko für Wild- und Honigbienen dar. Diese Schlussfolgerung wurde der EU-Kommission und den Mitgliedstaaten der EU auch genau so deutlich übermittelt. Die Agrarindustrie wendet Neonics, z.B. nach erteilten Ausnahmegenehmigungen, dennoch weiter an. Und da sich die Pestizidhersteller bereits vor Gericht gegen die Anwendungsbeschränkungen von 2013 wehren, rechnen wir mit der Auflösung mancher Verbote.

Neonics als Gifte für die gesamte Umwelt

Die wasserlöslichen Neonics gelangen nach dem Auftragen in alle Teile der Pflanzen (Pollen, Nektar, Gutationssaft), in den Boden (Staubdrift) und sie sind nachweisbar in benachbarten Gewässern. Durch die unkontrollierbare Verbreitung nach der Anwendung werden auch Lebewesen vergiftet, die keine Zielorganismen sind (z. B. Schmetterlinge, die Pollen, Nektar oder Guttationswasser aufnehmen). In einer im Fachmagazin Nature veröffentlichten Studie wurden die steigenden Konzentrationen von Imidacloprid sogar in Korrelation mit der Abnahme von insektenfressenden Vögeln gebracht.

Neonics im Insektengehirn

Die komplexesten Verhaltenssteuerungen (Wahrnehmung, Lernen, Erinnern, Orientierung, Navigation, Kommunikation) finden in den Pilzkörpern des Insektengehirns über sogenannte nikotinische Acetylcholin-Rezeptoren statt. Neonics wirken auf genau diese Rezeptoren, denn sie binden an die Rezeptoren und stören damit die Reizweiterleitung. Bei höheren Dosen ist dies tödlich, bei sehr niedrigen Dosen stört es die Gehirnprozesse.

Ein Versuchsaufbau, der genutzt wird, um die Intelligenz von Hummeln zu testen.

Das Forschungsprojekt

Prof. Menzel hat durch Untersuchungen an Bienen festgestellt, dass Neonics, insbesondere Thiacloprid, die Gedächtnisbildung und den Gedächtnisabruf stört. Da der Forschungsgruppe bekannt ist, über welche Gehirnprozesse diese Wirkung erfolgt, werden Registrierungen von Nervenzellen im Hummelgehirn durchgeführt, die am Auslesen des Gedächtnisses beteiligt sind. Zusätzlich wird die Hummel durch einen Intelligenztest geführt, um herauszufinden, bei welchen Dosierungen die Störungen auftreten. Dies ist für die Beurteilung der subletalen (nicht tödlichen, aber schädigenden) Wirkungen von Thiacloprid wichtig. Zudem gehen wir davon aus, dass sich der Labortest als eine generelle Methode herausstellt, subletale Wirkungen von Pestiziden (Pflanzenschutzmittel) unter standardisierten Bedingungen zu prüfen.

Die Projektskizze gibt es hier zum Download:

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