Schon wieder Glyphosat verunreinigter Honig!

In Brandenburg muss eine Imkerei rund 600 Kilogramm ihrer Honigernte vernichten, weil diese durch den benachbarten Landwirt mit Glyphosat verunreinigt wurde. Mit Hilfe der Aurelia Stiftung wehrt sich die Imkerei und macht den Fall öffentlich.


Ende April stellte die Brandenburger Erwerbsimkerei Seusing an einem ihrer Bienenstandorte im Landkreis Barnim fest, dass auf dem angrenzenden Acker das glyphosathaltige Herbizid Durano TF (Hersteller: Monsanto) ausgebracht worden war. Die ca. 70 Hektar große Fläche war zu diesem Zeitpunkt dicht mit blühendem Löwenzahn bewachsen und wurde von den Bienen als Futterquelle genutzt. Der verantwortliche Landwirt hatte die Imkerei vorab nicht über die Spritzmaßnahme informiert. Das betroffene Imkerpaar, Camille Hoornaert und Sebastian Seusing, hatte so keine Chance, ihre Bienen rechtzeitig umzustellen und ihre Honigerträge zu retten.

Hoornaert und Seusing wandten sich daraufhin an die Aurelia Stiftung, die in der Vergangenheit schon bei ähnlichen Fällen geholfen hat. Die von der Stiftung beauftragten Laboruntersuchungen bestätigen: Der Honig von Hoornaert und Seusing ist schwer belastet. Die am Standort entnommenen Honigproben weisen eine 80- bis 160-fache Überschreitung des zulässigen Grenzwertes für Glyphosat auf. Rund 600 Kilogramm Honig sind somit nicht mehr verkehrsfähig und müssen entsorgt werden. Der betriebswirtschaftliche Schaden beläuft sich nach ersten Schätzungen auf mehr als 10.000 Euro, auch für die Entsorgung müssen die Imker noch selber aufkommen. Die Imkerei Seusing wird deshalb mit Unterstützung der Anwälte der Aurelia Stiftung Schadensersatzansprüche geltend machen und versuchen, für die nächste Anbausaison Schutzvorkehrungen beim Verwaltungsgericht durchzusetzen.

Bitte unterstützt uns mit einer Spende, um anfallende Kosten für die fachliche Betreuung und Öffentlichkeitsarbeit sowie mögliche Prozesskosten in dem Fall zu decken. Mit Eurer Unterstützung wollen wir auf ein Grundsatzurteil für einen besseren Schutz vor Pestiziden für unsere Imker*innen, Bienen und Natur hinwirken!

Kein Pestizideinsatz mehr in blühenden Pflanzenbeständen!

Am vergangenen Freitag fand bereits eine Protestaktion mit solidarischen Imkerkolleg*innen vor dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Berlin statt. Unter Anwesenheit zahlreicher Journalisten stellten Hoornaert und Seusing ihre verunreinigte Honigernte symbolisch vor dem Ministerium ab und übergaben gemeinsam mit Aurelia-Vorstand Thomas Radetzki einen offenen Brief an Bundesministerin Julia Klöckner. Darin fordern sie die Bundesregierung auf, die Anwendung von Glyphosat und anderen Pestiziden in blühenden Pflanzenbeständen umgehend zu untersagen.

„Nicht nur die Existenz von Imker*innen wird durch derartige Spritzungen in offene Blüten gefährdet. Sie belasten die Gesundheit von Honigbienen, Wildbienen und anderen Insekten und tragen damit auch zum Artensterben bei”, stellt Thomas Radetzki klar. Neue wissenschaftliche Studien bestätigen, dass Glyphosat beispielsweise die Darmflora bei Bienen schädigt und sie anfälliger für Folgekrankheiten macht (Delatte H et al. (2019): Glyphosate alters the honeybee gut microbiota).

Für die bisherige Arbeit von Klöckner hat Radetzki vor allem Kritik übrig. Von ihren Ankündigungen – wie etwa dem im Koalitionsvertrag vereinbarten Glyphosat-Ausstieg oder einer neuen Ackerbaustrategie – sei bisher kaum etwas umgesetzt worden. Klöckners anfängliches Versprechen, bienenschädigende Pflanzenschutzmittel vom Markt zu nehmen, habe sie gleich mehrfach gebrochen, indem sie entgegen der Auflagen des Umweltbundesamt eine weitere Zulassungsverlängerung von Glyphosat durchgesetzt und darüber hinaus 18 neue, unzulänglich geprüfte Pflanzenschutzmittel die Zulassung erteilt habe.

Bereits 2016 hatte die Aurelia Stiftung Verunreinigungen von Honig durch Glyphosat in verschiedenen Bundesländern aufgedeckt. Fast überall gab es besorgniserregende Belastungen, der höchste Wert trat damals ebenfalls in Brandenburg auf: eine 200-fache Überschreitung des Grenzwertes von 0,05 Milligramm Glyphosat pro Kilogramm Honig. Daraufhin forderte Aurelia das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auf, die Zulassung aller glyphosathaltigen Pflanzenschutzmittel derart einzuschränken, dass die Verkehrsfähigkeit von Honig und Blütenpollen zuverlässig gewährleistet bleibt. Das ist nur durch ein Anwendungsverbot des Totalherbizides in blühenden Pflanzenbeständen möglich. Das BVL hat bisher keine derartigen Maßnahmen ergriffen.
 
Presseschau zu dem aktuellen Fall:

Rundfunk Berlin-Brandenburg – „Protest vor dem Ministerium – Mit Glyphosat verseuchter Honig"
Mitteldeutscher Rundfunk – „Bayerkonzern unter Druck"
Märkische Allgemeine Zeitung – „600 Kilo Honig verseucht: Nachbar ruiniert Frühjahrsernte mit Glyphosat
Märkische Oderzeitung – „Glyphosat in Honig
Bienen Nachrichten – „Glyphosat verseuchter Honig in Brandenburg

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