Vision einer bienenfreundlichen Landwirtschaft

Agrar-Kultur neu denken: Studie zur bienenfreundlichen Landwirtschaft

In unser Studie tragen wir das verfügbare Wissen zusammen, wie man den nach Pestiziden süchtigen Patienten Landwirtschaft erfolgreich therapieren kann und welche Widerstände und mächtigen (Geschäfts-)Interessen überwunden werden müssen. Eine bienenfreundliche und biodiversitätssichernde Landwirtschaft ist dringend nötig und auch praktisch möglich. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass wir uns auch in Zukunft gut und bezahlbar ernähren können.

Laut einer OECD-Auswertung von 2023 beläuft sich die Gesamtunterstützung in Gestalt von Subventionen für die Landwirtschaft in 54 berücksichtigten (Industrie- und Schwellen-)Ländern in den Jahren 2020-22 auf 851 Milliarden USD pro Jahr. Dies sei ein historischer Höchststand. Zudem seien die meisten Subventionen marktverzerrend und umweltschädlich.

Trotz jahrzehntealter Forderungen nach einer die Natur schonenden Landwirtschaft sind Agrarpolitik und Agrarindustrie seit den 1950er Jahren unverändert auf Höchsterträge fixiert – und gefährden gerade dadurch zunehmend unsere Ernährungssicherheit. Dank staatlich subventionierter „Flurbereinigung“ wurden in den 1960er und 1970er Jahren die Ackerschläge größer, die Landschaften aber ausgeräumt und vielfältige Lebensräume zerstört.

Seit den Römischen Verträgen von 1957 herrscht in der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union bis heute unverändert die Doktrin, dass eine sichere und preisgünstige Lebensmittelversorgung für Europas Bürger:innen sowie ein angemessenes Einkommen für Europas Bäuer:innen zu gewährleisten seien. Die Schattenseite dieser Doktrin war und ist der Preis, den Europas Ökosysteme hierfür bezahlen. Die Internationalisierung der Agrarmärkte seit Anfang der 1990er Jahre zwingt auch kleine landwirtschaftliche Betriebe dazu, sich internationalen Marktpreisen zu unterwerfen.

Die Aurelia Stiftung ist eine der Mitinitiatorinnen der im Sommer 2019 gestarteten erfolgreichen Europäischen Bürgerinitiative (EBI) „Bienen und Bauern retten“. Über 1,1 Millionen Bürger:innen forderten vom EU-Gesetzgeber, den Einsatz synthetischer Pestizide bis 2035 schrittweise zu beenden und Landwirt:innen bei der Umstellung auf gesunde und nachhaltigere Produktionsweisen zu unterstützen. Doch weder die Agrarpolitik noch die landwirtschaftliche Praxis nehmen die drohende Krise bislang auch nur ansatzweise ernst. Es gilt ein großes „Weiter so“, anstatt die überfällige Neuausrichtung hin zu einer Nahrungserzeugung im Einklang mit natürlichen Prozessen vorzunehmen.

Spätestens seit den 1980er Jahren sind die ökologischen Schadwirkungen bei Äckern und Nutztieren in der primär auf Höchsterträge ausgerichteten Landwirtschaft wissenschaftlich erwiesen. Neue Entwicklungen und Technologien führten zwischenzeitlich zu noch höheren Leistungen, der globale Markt zu immer größerem Wettbewerbsdruck – stets auf Kosten von Umwelt- und Klimaschutz; nicht selten im Widerspruch zu geltendem Recht.

„Zahlreiche wichtige der auf europäischer oder deutscher Ebene spezifizierten und für die Landwirtschaft relevanten Umweltziele im Bereich des Klima-, Wasser- und Biodiversitätsschutzes wurden nicht erreicht“, stellte 2018 der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und Verbraucherschutz (WBAE) beim Bundeslandwirtschaftsministerium fest.

Mit anderen Worten: Das Agrarsystem ist ein schwerkranker Patient, der massiv von der „Droge“ Pestizide abhängt und sich ein Leben ohne diese Droge nicht vorstellen kann. Diese von Pestiziden abhängige Landwirtschaft ist die Hauptursache für den Schwund von Wildbienen, anderen Bestäubern und Bodenfruchtbarkeit.

Giftige Gegenwart, summende Zukunft?

Die Aurelia Stiftung erkennt in Bienen hervorragende Seismographen für den Zustand der (Kultur-)Landschaft. Sterben die (Wild-)Bienen, sei es durch Ackergifte, zerstörte Nistmöglichkeiten oder schlicht durch fehlendes Futterangebot in ausgeräumten Mono- und Reinkulturen, so ist dies ein starkes Signal dafür, dass sehr grundlegende Dinge geändert werden müssen.

Arten- und Bienenvielfalt sind für unseren Planeten überlebenswichtig. Sie müssen umgehend zum Maßstab für die Agrarpolitik und landwirtschaftliche Praxis werden. Diese Studie wird ein Beitrag dazu sein.

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