Glyphosat-Verbot für Privatgärten noch in diesem Jahr?

Obwohl das Verbot von Glyphosat in Haus- und Kleingärten nun kommen soll, wird dadurch keine Reduzierung des Pestizideinsatzes erreicht. Für den Schutz der Bienen und Biodiversität ist dadurch nichts gewonnen.


Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesagrarministerium, Uwe Feiler, hat auf eine Frage des Bundestagsabgeordneten Harald Ebner (Bündnis 90/Die Grünen) hin, erstmals einen Termin für das überfällige Glyphosat-Verbot für Privatanwender in Aussicht gestellt. Noch in diesem Jahr soll die Maßnahme als Bestandteil einer lange angekündigten Glyphosat-Minderungsstrategie der Bundesregierung umgesetzt werden.

Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner hatte eine nationale Minderungsstrategie bereits im April 2018 ausgerufen und eine zügige Überarbeitung der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung angekündigt. Passiert ist bis heute jedoch nichts. Zuletzt hat sich sogar der Bundesrat zu der Sache geäußert und die Bundesregierung in einem Beschluss dazu aufgefordert, das Verbot von Glyphosat in Privatgärten endlich umzusetzen. Die Ankündigung des Verbots kommt letztendlich also nicht überraschend.

Neue Ersatz-Pestizide sind auch problematisch

Vielmehr hat die Trägheit der Bundesregierung es der Industrie und dem Handel ermöglicht, sich auf die neue Situation einzustellen. Sie haben glyphosatfreie Ersatzprodukte auf den Markt gebracht, so z.B. das neue Roundup AC von Evergreen Garden Care. Anstatt Glyphosat enthält das neue Roundup Pelargonsäure (Nonansäure) als Wirkstoff. Andere Hersteller setzen auf andere Kontaktgifte, z.B. Essigsäure (so wie bei Neudorffs Spruzit Schädlingsfrei).

Und die Ersatzstoffe sind längst erfolgreich etabliert: Bei nicht-beruflichen Anwendern war Glyphosat im Jahr 2014 der absolute Topseller. 2018 lag Glyphosat nur noch auf Platz 4 der Rangliste der meistverkauften Wirkstoffe. Dagegen konnte Pelargonsäure als Ersatz für Glyphosat von Rang 3 auf Platz 2 klettern. Noch besser lief es für Essigsäure: 2018 wurde sie mindestens 25-mal so oft verkauft wie noch 2014 (< 1,0 Tonnen vs. 25-100 Tonnen). Essigsäure befindet sich mittlerweile auf Platz 5 der beliebtesten Gartengifte.

Die Ersatz-Pestizide für Haus- und Kleingärten sind nicht zwingend unproblematischer als Glyphosat. Da Essigsäure und Pelargonsäure nicht so gut wirken, müssen sie wesentlich häufiger angewendet werden. Den Pestizidherstellern kommt das natürlich entgegen. Das BVL hat für Roundup AC sogar eine generelle Anwendungszulassung im Nichtkulturland (Wege und Plätze mit Holzgewächsen) erteilt, die aus Vorsorgegründen und nach Pflanzenschutzgesetz § 12, Absatz 2 eigentlich nur nach Erteilung einer Ausnahmegenehmigung möglich ist.

Bundesregierung tritt bei Pestizidreduktionszielen auf der Stelle

Jan Hellberg, Biologe und Projektleiter bei der Aurelia Stiftung, kommentiert: „Das Verbot von Glyphosat als Pflanzenschutzmittel für Haus- und Kleingärten ist begrüßenswert, aber auch überfällig. Durch die Verzögerungstaktik der Bundesregierung konnten sich Ersatzprodukte bereits erfolgreich auf dem Markt etablieren. Das geplante Verbot von Glyphosat in Haus- und Kleingärten wird letztendlich nicht zu einer Reduzierung des Pestizideinsatzes insgesamt führen. Damit kommt Julia Klöckner ihrem selbstgesteckten Ziel einer „Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln“ zum Schutz von bestäubenden Insekten keinen Deut näher. Gerade im Garten, der einen so wichtigen Rückzugsort für Bestäuber und andere Insekten darstellt, sollte gänzlich auf Pestizide verzichtet werden.“

Die Aurelia Stiftung setzt sich für ein Komplettverbot von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln für Haus- und Kleingärten ein und hat dazu im vergangenen Jahr eine umfassende Recherche und ein daraus abgeleitetes Forderungspapier vorgelegt. Frankreich hat sich bereits 2019 zu einem konsequenten Verbraucher- und Umweltschutz entschieden und „nicht ökologische“ Pflanzenschutzmittel für Privatanwender generell verboten. Wir halten diese Maßnahme für vorbildlich.

Gemeinsam mit der internationalen Verbraucherorganisation „Sum Of Us“ hat Aurelia eine Petition gestartet und sammelt aktuell Unterschriften für ein sofortiges Verbot von Glyphosat und anderen gefährlichen Giften in privaten Gärten.

Jetzt unterschreiben auf: www.actions.sumofus.org/a/bienengefahr-im-garten

Ansprechpartner:
Jan Hellberg (Projektleitung Aurelia Stiftung):
E-Mail schreiben
Tel: +49 (0)30 577 00 39 63
Mobil: +49 (0)151 12 43 99 48