Wildbienen sichern unsere Ernten. Minister Rainer setzt sie aufs Spiel

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Berlin, 21. August 2026 – Hitze und Dürre lassen Ernten einbrechen. Doch die agrarpolitische Debatte kreist vor allem um mehr Geld für Diesel, Dünger und pauschale Direktzahlungen. Landwirtschaftliche Betriebe in akuter Not brauchen schnelle Hilfe. Aber Krisenhilfe und Zukunftspolitik sind nicht dasselbe. Wer klimabedingte Ernteausfälle vor allem mit höheren Subventionen für ein „weiter so!“ in der Landwirtschaft beantwortet, bereitet die nächste Krise vor.

Eine aktuelle Studie der Technischen Universität München zeigt, was auf dem Spiel steht. Die Erträge bei Getreide sind bereits gesunken. Aber wenn sich das Klima weiter erwärmt wie bisher, wird es zum Doppelstress für bestäuberabhängige Nutzpflanzen kommen durch Hitze und den Rückgang der Bestäuber. Dies gelte „insbesondere für artenarme Gemeinschaften, wie sie in vielen landwirtschaftlich geprägten Gebieten zu finden sind.“ so die Forschenden.

Bestäuber sind kein schmückendes Beiwerk des Naturschutzes. Sie gehören zur kritischen Infrastruktur unseres Ernährungssystems. Rund 35 Prozent der weltweiten Erntemenge hängt von Bestäubern ab. Etwa 75 Prozent der Obst-, Gemüse- und Ölsaatenkulturen sind wesentlich auf sie angewiesen. Die Vielfalt der Wildbienen ist dabei entscheidend, weil verschiedene Arten unterschiedlich auf Hitze, Kälte und andere Umweltbedingungen reagieren. Wildbienen sind die Versicherung unserer Ernten. Wir laufen allerdings Gefahr, diese Versicherung zu verlieren.

Es ist daher im Wortsinn brandgefährlich, die dramatischen Folgen der Klimakrise zu beklagen zugleich aber genau die Instrumente zu schwächen, die Landwirtschaft und Natur widerstandsfähiger machen können. Unter dem Etikett Bürokratieabbau will Minister Rainer ausgerechnet die Öko-Regelungen für Weidehaltung und Biotopverbund streichen. Und die die EU-Kommission schlägt vor, die regelmäßige Neubewertung vieler Pestizidwirkstoffe durch potenziell unbefristete Genehmigungen zu ersetzen. Das ist kein Bürokratieabbau. Das ist Biodiversitätsabbau.

Die Aurelia Stiftung kämpft deshalb für eine bienenfreundliche Landwirtschaft. Das ist etwas anderes als ein paar zusätzliche Blühstreifen:

Wir brauchen den Ausstieg aus

  • einer Agrarpolitik der Geldverteilung mit der Gießkanne ohne ökologische Lenkungswirkung.
  • der Intensivlandwirtschaft mit enormen „Kollateralschäden“ durch chemisch-synthetische Pestizide, deren Kosten die Allgemeinheit zahlt, währen Agrarkonzerne profitieren.
  • der Abhängigkeit von Kunstdünger, der mit enormen Mengen Öl und Gas klimaschädlich produziert werden muss und uns erpressbar macht.

Wir brauchen den Einstieg in

  • eine zukunftsfähige, klimaresiliente Landwirtschaft mit Wasserrückhalt, Humusaufbau, gesunden Böden, vielfältigen Fruchtfolgen, vernetzten Lebensräumen.
  • eine Agrarförderung, die ökologische Leistungen angemessen honoriert und nicht die Schäden externalisiert.

Für diesen Umbau zu einer zukunftsfähigen, bienenfreundlichen Landwirtschaft brauchen Landwirte Unterstützung. Die Dürre nur zu „beobachten“ und Sätze vom zuständigen Minister wie „Ich kann’s nicht regnen lassen, sonst tät ich’s machen.“ zeugen von einem völligen Unverständnis für Ökologie und die dramatische Situation in der wir uns befinden.

Mehr als 1,1 Millionen Europäerinnen und Europäer haben gefordert, Bauern und Bienen gemeinsam zu retten: durch einen Pestizidausstieg, die Wiederherstellung der Biodiversität und verlässliche Unterstützung der Betriebe beim Umbau. Dieser Kurswechsel ist nicht erfolgt. Stattdessen werden immer mehr Umweltleistungen unter dem Vorwand des Bürokratieabbaus zurückgenommen und Pestizidregeln gegen den Rat der Wissenschaft gelockert. Diese Ignoranz im Umgang mit Bürgern, Bienen und Biodiversität darf sich die Politik in Zeiten des Klimawandels nicht mehr leisten.

Foto: foto_tech/stock.adobe.com; Bearbeitung: Rodekohr

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