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Acetamiprid Honiguntersuchungen

Acetamiprid ist ein Neonicotinoid, das nach wie vor im Rapsanbau gespritzt wird und zu Gesundheitsschäden bei Bienen sowie Rückstandsbelastungen im Honig führen kann. Die Aurelia Stiftung lässt deutschlandweit Stichproben von Rapshonig auf Acetamiprid untersuchen, um Aussagen zu Belastungen und Grenzwertüberschreitungen des Neonicotinoids in Lebensmitteln und Pflanzen treffen zu können. Nach einer neuen Anwendungsbeschränkung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) darf das Mittel seit dem Frühjahr 2021 nicht mehr in die offene Blüte gespritzt werden. Mit den Untersuchungen wirft die Stiftung einen kritischen Blick darauf, ob diese Beschränkung auch eingehalten wird und ausreicht, eine Belastung des Honigs und der Bienen zu verhindern.

Sie haben 2021 Rapshonig geerntet?

Dann schicken Sie uns bitte bis zum 16.01.2022 eine anonymisierte Honigprobe. Alle Informationen zum Vorgehen haben wir Ihnen in einem PDF zusammengestellt, das Sie hier herunterladen können.

Informationen für Imker*innen

 

Acetamiprid ist ein Insektizid aus der Wirkstoffgruppe der Neonicotinoide, die aufgrund ihrer besonderen Bienenschädlichkeit hochumstritten und bereits teilweise verboten sind. Laut dem BVL sind in Deutschland derzeit zwölf Mittel mit dem Wirkstoff Acetamiprid zugelassen. Im Rapsanbau wird Acetamiprid als Wirkstoff in den Spritzmitteln Mospilan SG und Danjiri zur Bekämpfung des Rapsglanzkäfers angewendet.

Gefährlich für Bienen, belastend für den Honig

Solche Blütenspritzungen können zu Gesundheitsschäden bei Bienen und darüber hinaus zu problematischen Rückständen im Honig führen. Eine schwerwiegende subletale Wirkung durch Schädigung des Orientierungs- und Navigationsvermögens der Honigbienen durch Acetamiprid wurde wissenschaftlich dokumentiert. Während das Kompensationsvermögen von Honigbienenvölkern recht hoch ist und diese mitunter „nur“ geschädigt werden, sterben solitär lebende Wildbienen oftmals sofort daran. Dies findet bisher keine ausreichende Berücksichtigung im Pestizidzulassungsverfahren.

Insbesondere dort, wo Pestizide direkt in die Blüte gespritzt werden, kommt es zwangsweise auch zu einer Verunreinigung von Honig und anderen Imkereiprodukten. Wenn der Pestizidgehalt bei einer Untersuchung über dem lebensmittelrechtlichen Grenzwert (MRL) liegt, muss der Honig aus dem Verkehr gezogen werden. Die Imkereien müssen die Untersuchungskosten selbst tragen, bleiben auf dem fremdverursachten Schaden sitzen und müssen ihren verunreinigten Honig auf eigene Kosten entsorgen. So kommt es, dass Rückstände im Honig selten aufgedeckt werden und das Pestizidproblem nicht ausreichend thematisiert wird.

Deutschlandweit wurde Raps im Jahr 2021 auf knapp einer Million Hektar angebaut. Winterraps ist in Deutschland die wichtigste angebaute Ölsaat. Die Bestäubung durch Bienen steigert den Ertrag im Rapsanbau um bis zu 30 Prozent. Somit ist der Schutz von Bestäubern im ureigenen Interesse der Rapsanbauer*innen und auf lange Sicht ertragsfördernd. Der Raps wiederum ist eine frühe und beliebte Massentracht für Bienen und Rapshonig ist eine wichtige Einkommensquelle für Imkereien. In den klassischen Rapsanbauregionen ist es Imker*innen zudem kaum möglich, dem Raps auszuweichen.

Spritzungen nur noch vor dem Öffnen der Blüte erlaubt, Umsetzung unklar

Acetamiprid wird zwar vom Bundesamt für Verbraucherschutz (BVL) als „B4 = Bienenungefährlich“ eingestuft. Gleichzeitig ist der Wirkstoff aber auch als „schädigend für bestäubende Insekten“ gekennzeichnet. Mit dieser widersprüchlichen Einstufung wird lediglich eine unverbindliche Empfehlung ausgesprochen, die Mittel vorzugsweise in den Abendstunden auszubringen. Es ist daher davon auszugehen, dass acetamipridhaltige Mittel weiterhin direkt und tagsüber während des Bienenflugs in die Rapsblüte gespritzt wurden.

Nach mehreren offenen Briefen der Aurelia Stiftung und des Deutschen Berufs und Erwerbs Imker Bundes (DBIB) an das BVL und an die EU-Kommissarin Stella Kyriakides gab das BVL im März 2021 bekannt, dass die acetamipridhaltigen Mittel Mospilan SG und Danjiri gegen den Rapsglanzkäfer in Winterraps ab sofort nur noch vor dem Öffnen der Rapsblüte gespritzt werden dürfen. Die Anwendungsbeschränkung in der Rapsblüte soll über Landespflanzenschutzdienste und Fachverbände an die rapsanbauenden Betriebe kommuniziert und zudem konsequent kontrolliert werden. Ob dies ausreichend geschehen ist, ist bislang nicht bekannt. Mithilfe der Honiguntersuchungen wird Aurelia einen kritischen Blick darauf werfen.

Honigproben aus allen relevanten Rapsanbaugebieten

Die Aurelia Stiftung hat mit ihren Anwälten erfolgreich vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) dafür gekämpft, dass die Neonicotinoide Clothianidin, Imidiacloprid und Thiamethoxam verboten bleiben. Jetzt setzt sie sich dafür ein, dass Bienen und andere Insekten in Zukunft auch von dem Neonocotinoid Acetamiprid verschont bleiben.

Die Aurelia Stiftung wird stichprobenartig Rapshonigproben mithilfe eines akkreditierten Labors auf sieben Neonicotinoide untersuchen lassen. Dabei arbeitet sie mit Imker*innen aus Bundesländern mit Rapsanbauflächen eng zusammen. Die eingesandten Proben werden anonymisiert ausgewertet. Die stichprobenartigen Ergebnisse soll einen ersten Aufschluss über die Belastungen des Honigs und der Bienengesundheit sowie über die Umsetzung der behördlichen Anwendungsbestimmung für Acetamiprid geben. Mit entsprechenden Ergebnissen wird politisch Druck gemacht werden.

Bitte unterstützen Sie die Aurelia Stiftung, sich weiterhin tatkräftig für grundliegende Anwendungsbeschränkungen von Pestiziden in blühendem Pflanzenbeständen und für eine neonicotinoidfreie Landwirtschaft einzusetzen. Damit Pestizide in Zukunft keine Gefahr mehr für Bienen, Insekten aller Art und Honigernten darstellen!

Ansprechpartner

Sarah Thullner
Agrarreferentin
+49 30 577 00 39 67

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